Die Entstehung der Ausstellung WE ARE PART OF CULTURE

Die Geschichte der Ausstellung WE ARE PART OF CULTURE begann im Sommer 2015 mit der Idee einer kleinen T-Shirt-Aktion zur Geschichte von Schwulen und Lesben in der Weltgeschichte. Auslöser waren die neuen sogenannten “Homo-Propaganda”-Gesetze in Russland, die das positive Sprechen über Homosexualität unter Strafe stellten. Schnell waren vier bekannte Gesichter ausgewählt, und so fanden die Scherenschnittportraits von Selma Lagerlöf, Friedrich II. von Preußen, Pjotr I. Tschaikowski und Oscar Wilde ihren Weg auf bunte Shirts. Die Aktion verlief eher ruhig und ohne größere Aufmerksamkeit, aber die Idee, die Geschichte von LGBTTIQ* sichtbar zu machen, war fortan fest im Blick des Projekt 100% MENSCH. Viele Möglichkeiten standen im Raum: T-Shirts, Photoaktionen im Internet, Plakatierungsaktionen. Viele Möglichkeiten, aber der richtige Dreh, der entscheidende Impuls war noch nicht dabei.

Motzstraßenfest 2016 in Berlin. Der New Yorker Künstler Robert W. Richards stellte in Berlin seine Bilder aus. Das Projekt 100% MENSCH war zur Vernissage eingeladen. Ein Blick auf die scherenschnittartigen Bilder Richards in schwarz, rot und weiss reichten aus, um das Puzzle von Ideen und Möglichkeiten schlagartig in ein Konzept zu verwandeln: “Genau das wollen wir machen. Eine Ausstellung mit großen Portraits unserer Heldinnen und Helden. Von der Antike bis heute. Viele verschiedene Künstlerinnen und Künstler. Techniken und Stile so unterschiedlich wie die dargestellten Persönlichkeiten. Alles verbunden durch ein Farbkonzept, das das ‘Chaos’ bändigen könnte. Und Bahnhöfe! Lasst uns da hin gehen, wo alle sind! Wir gehen an Bahnhöfe!”
Es ist immer wieder verblüffend, wie einfache Ideen eine unerwartete Dynamik entfalten können. Noch auf der Vernissage kam es zum Gespräch mit Robert W. Richards. Ein Konzept, gerade erst in gröbsten Zügen umrissen und ohne auch nur die Spur einer Ahnung davon, wie so etwas zu stemmen und vor allem zu finanzieren sei, war tatsächlich in der Lage, einen der bekanntesten Illustratoren der USA zu begeistern. Robert W. Richards sagte ‘Ja’. Wenn die Ausstellung stattfindet, dann wolle er dabei sein und das Projekt 100% MENSCH mit einigen Bildern unterstützen.

Wo beginnt man eine Ausstellung über die Geschichte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender und intersexuellen Persönlichkeiten? Beim Ausstellungsort. Denn dieser war entscheidend. Hätte die Deutsche Bahn kein Interesse an einer Ausstellung gehabt, so wäre das Projekt gescheitert, noch bevor es begonnen hatte. Am 7.8 landete ein kurze Mail auf dem Schreibtisch des zuständigen Managers für die Veranstaltungen der Deutschen Bahn, Martin Libutzki. Am 9.8 erhielten wir die Antwort: “Das Projekt klingt sehr interessant. Wir sollten auf jeden Fall näher darüber sprechen.” In Windeseile wurde nun ein schriftliches Konzept entworfen und gleichzeitig die ersten Künstlerinnen und Künstler angesprochen. Nur – welche Persönlichkeiten sollten diese überhaupt portraitieren?

Die Recherche über Bücher und Internet ergab eine Liste von über 300 LGBTTIQ*-Persönlichkeiten, die in die engere Wahl kamen. Über 300 spannende, kuriose, unglaubliche Lebensgeschichten. Nach dem ersten Telefonat mit der Deutschen Bahn war klar: es können höchstens 30 Kunstwerke ausgestellt werden, und die Auswahl würde nicht einfach. Zunächst wurde eine Liste mit Kriterien erstellt. Eine gleichmäßige Verteilung an Frauen und Männern war selbstverständlich. Aufgrund der enorm dünnen Quellenlage zu Menschen mit einer geschlechtlichen Thematik wurde die Entscheidung gefällt, diesen Vorrang einzuräumen. Weiterhin wollten wir möglichst alle Zeitalter abdecken und auch die Wirkungsfelder der Persönlichkeiten sollten möglichst vielfältig sein. Und so wurde in mehreren Runden der Kreis der Kandidatinnen und Kandidaten immer kleiner. Mit jeder Runde wurde es schwieriger und auch viele persönliche Lieblinge fielen aus dem Rennen um die Plätze in der Ausstellung. Schließlich waren 36 Persönlichkeiten ausgewählt. Einige konnten zu Doppelportraits zusammengefasst werden; im Fall der Familie Mann wurde es sogar ein Gruppenbild.

Gerda Laufenberg aus Köln und Robert W. Richards aus New York waren die ersten Künstler*innen, die sich bereit erklärten Portraits zu entwerfen. Gerda Laufenberg entschied sich für Tschaikowski und Simone de Beauvoir. Als Robert Richards die Liste der möglichen Persönlichkeiten sah, traf er seine Wahl sehr schnell: “Ich nehme Marlene, Greta und Freddie. Die kannte ich persönlich.” Als dritte Malerin konnte Jeanne Lessenich gewonnen werden. Die queere Künstlerin übernahm Chevalier d’Éon de Beaumont und Königin Christina von Schweden. Kurze Zeit danach waren die ersten Bilder und das Ausstellungskonzept fertig.

Einen Besuch in Berlin und einige Gespräche später war klar: Die Deutsche Bahn AG möchte die Ausstellung zeigen. Es kann losgehen.

Der nächste Wendepunkt in der Entstehung der Ausstellung WE ARE PART OF CULTURE war die Teilnahme am Wettbewerb startsocial. Das Projekt 100% MENSCH hatte sich im Frühjahr 2016 beworben und nun im Herbst 2016 mitten in die heisse Phase der Vorbereitungen platzte die Nachricht, dass uns für vier Monate professionelle Coaches aus der Wirtschaft an die Seite gestellt würden. Sonja Mechling (Bosch) und Marc Scharnbacher (Allianz) stellten uns “böse” Fragen, brachten uns zum Nachdenken, gaben Tipps und halfen bei der Weiterentwicklung des Konzepts und insbesondere bei der Strategie zur Ansprache möglicher Sponsor*innen. An dieser Stelle vielen, vielen Dank an das Team von startsocial für die Möglichkeit und unseren beiden Coaches für ihre unschätzbare Hilfe bei der Weiterentwicklung und Professionalisierung unserer Ausstellung.

Es folgten Anträge beim Bundesprogramm “Demokratie leben!” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung. Hinzu kam die Suche nach Firmen und Einzelpersonen, die uns bei der Finanzierung der Ausstellung unterstützen könnten. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals herzlichst bei allen Firmen und Einzelpersonen bedanken, die unserem Konzept und unserer Vision der Ausstellung Vertrauen geschenkt haben. Dank dieses Vertrauens konnten die benötigten Eigenmittel, die die Voraussetzung für die staatliche Förderung waren, aufgebracht werden. Vielen Dank auch an die Regiestelle “Demokratie leben!” und an die Bundeszentrale für politische Bildung, die uns genauso das Vertrauen ausgesprochen und so die Umsetzung unseres Konzepts einer positiven, niederschwelligen und weithin sichtbaren Ausstellung ermöglicht haben.

Nach unzähligen Gesprächen, Überarbeitungen, Emails, Telefonaten, Terminverschiebungen wegen der Bundestagswahl und nochmaligen Antragsüberarbeitungen war Ende 2016 die Finanzierung durch Sponsoren und den Bund gesichert.

Im Frühjahr 2017 wurde WE ARE PART OF CULTURE in die Bundesauswahl des Wettbewerbs startsocial gewählt und das Projekt 100% MENSCH freute sich mit den anderen Organisationen der Auswahl über die Einladung ins Bundeskanzleramt. Das Selfie mit der Bundeskanzlerin war inklusive!

Mittlerweile war die Künstler*innen-Familie auf 18 Mitglieder angewachsen und nach und nach wurden die Kunstwerke für die Ausstellung fertig. 18 begnadete Künstlerinnen und Künstler, national und international, hatten uns ihre Portraits kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Qualität, die unterschiedlichen Stile, der Ausdruck, die Unterstützung und das sich langsam vervollständigende Puzzle der Bilder machte uns alle sprachlos. Vielen Dank an Eure Kunst, Eure Vision, Eure Unterstützung – ohne Euch gäbe es die WE ARE PART OF CULTURE nicht.

Als letzter Schritt kommt nun die Organisation der Tour durch die großen Bahnhöfe, die Planung und Durchführung der Informationsveranstaltungen für Lehrkräfte sowie die Vorbereitung der Diskursveranstaltungen in den jeweiligen Städten an. Seit einigen Tagen steht der Tourplan für die erste Jahreshälfte: Nach Berlin und Frankfurt 2017 folgen nun Köln, Düsseldorf, Duisburg, Buchum, Essen, Dortmund und Münster. Die Bahnhöfe für die zweite Jahreshälfte werden gerade noch in Reihenfolge gebracht.

Die Ausstellung WE ARE PART OF CULTURE wurde speziell für Schulklassen ab der 8. Stufe erarbeitet, um so insbesondere Jugendliche für die Ausstellung zu interessieren und Lehrkräften die Möglichkeit zu geben, die Ausstellung und ihre Inhalte in den Unterricht zu integrieren. Hier arbeiten wir mit verschiedenen Organisationen wie SchLAU oder Queerformat zusammen. Vielen Dank für Eure Unterstützung! Hinzu kommen Diskursveranstaltungen wie Talkrunden, Podiumsdiskussionen und Vorträge, die die Ausstellung als Rahmenprogramm ergänzen.

Heute ist der 8. August 2017. Es sind noch genau 50 Tage bis zur Vernissage, und es gibt noch so viel zu tun. Aber wir sind guter Dinge. Der Katalog ist im Layout. Die Sprechenden für die Vernissage stehen fast komplett fest. Die ersten Pressetermine stehen an. Alle Kunstwerke sind fertig. Die Termine für das erste Halbjahr 2018 stehen. Die Talkrunden und Informationsveranstaltungen in Berlin und Frankfurt sind vorbereitet. Die Informationstour auf den CSDs läuft. Die Einladungen zur Vernissage sind fertig. Die Spannung steigt. Gerade sind unsere Plakate geliefert worden. Es sind die Plakate mit allen Kunstwerken darauf. Das sind so Momente, in denen die Ausstellung real wird. Wir stehen davor, und obwohl wir uns seit Monaten mit den Lebensleistungen von so vielen Persönlichkeiten, so vielen Vorbildern beschäftigen, wird es uns nochmals bewusst: Wir waren schon immer da. Wir werden immer da sein. Wir haben diese Gesellschaft mit geprägt. Wir sind ein Teil dieser Kultur. WE ARE PART OF CULTURE.

 

 

 


Projekt 100% MENSCH

Die Projekt 100% MENSCH gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt) fördert und fordert die komplette Gleichstellung und Akzeptanz gleichgeschlechtlich liebender Menschen und die Gleichberechtigung aller Geschlechter (LSBTTIQA).

Verwirklicht wird dieses Ziel durch Aufnahme und Aufführung von Charity-Songs, die Ausrichtung von kulturellen Veranstaltungen, die Ausgabe von Publikationen sowie aktiver Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

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Förderung

Die Ausstellung WE ARE PART OF CULTURE wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms "Demokratie leben!" sowie der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

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